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„Das Schönste in Tokio ist McDonald's. Das Schönste in Stockholm ist McDonald's. Das Schönste in Florenz ist McDonald's. Peking und Moskau haben noch nichts Schönes...", das konstatierte zumindest das Pop-Art-Papst Andy Warhol – und hat damit wohl Ray Kroc aus der Seele gesprochen. Dieser nannte sich „Der Gründer“ und war der Kopf hinter dem weltweiten Siegeszug der wohl berühmtesten aller Fast-Food-Ketten. In die Liste der 100 einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts hat ihn das Magazin „Time“ aufgenommen, auf rund 500 Millionen Dollar wurde das Vermögen des 1984 verstorbenen ehemaligen Handlungsreisenden geschätzt.
 
Der Mann ist eine Legende – und für Legenden interessiert sich Regisseur John Lee Hancock. Fünf seiner bislang sechs Kinofilme basieren auf „wahren Geschichten“. In „Saving Mr. Banks“ geht es beispielsweise um Walt Disney und P.L. Travers, Schöpferin von Mary Poppins, in „Blind Side – Die große Chance“ um den „All American“ Football-Spieler Michael Oher, dessen Karriere von einer Powerfrau angeschoben wird, die nebenbei einen Schnellimbiss leitet.
 
Das hat Kroc (Michael Keaton) mit 52 Jahren noch nicht geschafft. Er tingelt in den frühen Fünfzigern in seinem Auto durch den Mittleren Westen, versucht mit wenig Erfolg Milchshake-Mixer zu verkaufen. So überrascht es ihn, dass er eines Tages eine Bestellung über sechs Geräte erhält. Er glaubt an eine falsche Order, fragt nach – und der Kunde erhöht auf acht Stück. Neugierig geworden, macht sich Kroc auf den Weg nach San Bernardino. Vor dem Burger-Restaurant von Mac (John Carroll Lynch) und Dick (Nick Offerman) stehen die Menschen Schlange. Den Erfolg begründen die Brüder mit ihrer revolutionären, quasi-industriellen Fertigungsmethode. Ihr Credo: gleichbleibende Qualität, guter Service, kurze Wartezeit. Kostensparend wird zudem auf Geschirr und Besteck verzichtet. Ray ist begeistert. Am nächsten Tag schlägt er beiden ein Franchise-Modell vor...
 
Eine klassische Erfolgsgeschichte erzählt Hancock nach dem Skript von Robert D. Siegel („The Wrestler“). Nicht unterkriegen lässt sich der prototypische US-Held, der im Laufe seines Lebens beruflich schon zigfach gestrauchelt ist, sich aber unerschütterlich immer wieder aufgerappelt hat. „Beharrlichkeit!“ nennt er den Grund seines Erfolgs. „McDonald’s wird zu Amerikas neuer Kirche“, weiß er – „und die hat nicht nur sonntags geöffnet!“. Die gelben Bögen, aus denen sich das „M“ im Logo zusammensetzt, symbolisieren die Fresskathedralen, das Geld wird – so lernt man – nicht mit Fritten und Normfrikadellen verdient, sondern mit dem Land, auf dem die Restaurants stehen.
 
Eine differenzierte, unterhaltsame, in liebevollem Retro-Design ausgestattete Studie in Sachen Big Business, festgemacht an Burgerbuden statt Banken. Die Brüder sind „old school“, sympathische, den amerikanischen Pionierwerten verpflichtete fundamentalistische Idealisten mit moralischem Kompass. Kroc hingegen, von Keaton schlitzohrig-hemdsärmelig gespielt, ist ein seelenloser Turbokapitalist, dem es ausschließlich um Gewinnmaximierung geht und der dafür auch die Ehe mit der langmütigen Gattin (Laura Dern) opfert. Passend dazu lässt er seine Kompagnons wissen: „Verträge sind wie Herzen – sie müssen gebrochen werden.“
 
Gebhard Hölzl

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80331 München
Quelle: in münchen