Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes

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15.06.2018
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Der Mann ist ein Hoffnungsträger. Im März 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt. Der erste Papst aus Lateinamerika, der erste Jesuit auf dem heiligen Stuhl, und der erste Papst, der sich den Namen Franziskus gab. Nach Franz von Assisi (1181-1226), dem Heiligen, der Bescheidenheit und Einfachheit als höchste Tugenden verstand, dem Reformer, der sein Leben „Schwester Armut“ widmete, seiner Liebe zur Natur und zu allen Geschöpfen.
Papst Franziskus folgt diesem Vorbild in Wort und Tat und füllt seine Rolle deutlich anders aus als seine Amtsvorgänger. Er versucht, seinen Einfluß in der Welt geltend zu machen, wendet sich gegen die Auswüchse von Kapitalismus und Globalisierung, mahnt die Politik, den Klimaschutz endlich Ernst zu nehmen, Konflikte friedlich zu lösen, oder lenkt die Aufmerksamkeit auf Flüchtlinge, Obdachlose, Arme – all diejenigen, die keine Lobby haben.
Der Vatikan fragte bei Wim Wenders an, ob er sich vorstellen könne, einen Film über den Papst zu drehen. Und der akzeptierte, zumal ihm dabei völlig freie Hand gelassen wurde.
Das nun entstandene Porträt ist eine persönliche Begegnung mit dem Papst, kein Film über ihn.
Vier lange Gespräche waren das Ausgangsmaterial. Hier richtet Franziskus sein Wort direkt in
die Kamera, nimmt zu allen ihm wichtigen Fragen Stellung, spricht über unsere gemeinsame Verantwortung für den Planeten Erde, über soziale Gerechtigkeit, Mitgefühl und menschliches Miteinander … In einfachen Sätzen – es ist interessant, ihm beim Formulieren seiner Gedanken aus nächster Nähe zuzusehen.
Verschränkt sind diese Themen mit Eindrücken von seinen zahlreichen öffentlichen Auftritten, vom Beginn seines Pontifikats, seinen Reisen, seiner Rede vor den Vereinten Nationen und im US-Kongress, seinen Gebeten am Ground Zero oder in Yad Vashem, seinen Begegnungen mit Menschen am Straßenrand, in Gefängnissen oder mit Geflüchteten auf Lampedusa.
Dabei ist von der Macht der katholischen Kirche, von all den aus der Zeit gefallenen Normen, denen sich gläubige Katholiken zu unterwerfen haben, kaum die Rede, ja nicht einmal der Glaube an Gott spielt eine wesentliche Rolle.
Meine Begleiter in der Pressevorstellung waren irritiert: Dieser Film sei distanzlos, eine Hagiographie, unkritische Propaganda … eine verfehlte Kritik, weil es dem Regisseur nicht um investigativen Journalismus ging. Wim Wenders ist ja Bilder-Mensch. Und seine Kommentare aus dem Off sind, nun ja, mitunter gewöhnungsbedürftig. Genauso wie die arg schrägen „Stummfilm“-Versatzstücke, die das Leben des Heiligen Franz von Assisi illustrieren sollen.
Ist aber, fast, egal. Wenders stellt sich in den Dienst der Sache. Der Papst, so wie er hier zu sehen ist, ist glaubwürdig, „authentisch“. Meint, was er sagt. Wäscht den Herren in der Kurie gehörig den Kopf. Spricht sich für die schwule Liebe aus. Sagt ohne Wenn und Aber, dass sexueller Missbrauch ein Verbrechen ist. Praktiziert, im Rahmen seiner Möglichkeiten, Ökumene. Missioniert nicht. Glaubt erkennbar an seine Sache, seine Verantwortung, seine Aufgabe in der Welt.
Ja. Das ist ein Film mit expliziten Botschaften. Am Interessantesten vielleicht für Menschen, die wenig über Franziskus wissen, und seiner Kirche gar nicht angehören. Auf jeden Fall sehenswert.
 
Hermann Barth

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80331 München
Quelle: in münchen