Der Buchladen der Florence Green

DIVERSE KINOS
16.05.2018
Mai
10.05.18
 
11.05.18
 
12.05.18
 
13.05.18
 
14.05.18
 
15.05.18
 
Für schwermütig-komplexe (Liebes-)Dramen wie „Das geheime Leben der Worte“ oder „Mein Leben ohne mich“ ist die Katalanin Isabel Coixet bekannt, sie landet gerne in der „Frauenfilm“-Schublade. Gegenbeweis: „Elegy oder die Kunst zu lieben“, ihre Adaption von Philip Roths „Das sterbende Tier“. Perfekt hat sie es verstanden, die Gedankenwelt des bekennenden Machos filmisch umzusetzen. Nun noch einmal Literatur, diesmal die Verfilmung von Penelope Fitzgeralds Bestseller „Der Buchladen der Florence Green“ von 1978, vom Verleih als Hommage an die Bibliophilie beworben. Mag sein. Aber nicht nur, selbst wenn die Rede immer wieder auf Ray Bradburys dystopischen Science-Fiction-Klassiker „Fahrenheit 451“ kommt und Vladimir Nabokovs „Lolita“ eine zentrale Rolle spielt.
Den 1955 erschienenen „Skandalroman“ stellt die Kriegswitwe Green (Emily Mortimer) im Schaufenster der von ihr eröffneten kleinen Buchhandlung im verschlafenen englischen Küstenstädtchen Hardborough auf. Und stößt auf Widerstand der heimischen Upper Class. Diese, nicht moralisch motiviert – das Buch findet reißenden Absatz –, wird von der wohlhabenden Violet Gamart (Patricia Clarkson) angeführt, die im Ort das Sagen hat. Grund: Das alte Haus, in das die alleinstehende Buchhändlerin eingezogen ist, hat sie nämlich als „Kunstzentrum“ ins Auge gefasst. Ein Wunschprojekt, das sie nicht aufzugeben und unbedingt durchzusetzen gedenkt. Da hilft es Florence wenig, dass sie im lesefreudigen Edmund Brundish (Bill Nighy) einen Verbündeten findet, der sich in der Gemeinde für sie einsetzt.
David gegen Goliath, eine Geschichte über (weibliche) Selbstbestimmung, Selbstfindung und Emanzipation, angesiedelt vor pittoresker „Stürmische Höhen“-Kulisse. Ziehende Wolken, sattgrüne Wiesen und Wälder, Fischerboote, die im Hafen dümpeln, rothaarige Kinder, die fröhlich lachend zur Schule hopsen, neugierige Nachbarinnen, die hinter vorgehaltener Hand tuscheln... wenn plötzlich Pu der Bär die Straße überqueren würde, würde man sich kaum wundern. Doch die Idylle trügt. Unter der Oberfläche brodelt es, gehässige Gerüchte kursieren, Intrigen werden gesponnen. Aus dem Off wird die Story im Rückblick aufgerollt. Zu verraten, wer sie erzählt, würde die finale Volte vorwegnehmen. Nur so viel: Hart an der Kitschgrenze ist diese Auflösung, aber das ist wohl der Vorlage geschuldet.
Gewohnt präzise zeichnet die Filmemacherin nach eigenem Skript die Charaktere. Mortimer, Clarkson und Nighy sind ideal besetzt, füllen ihre Parts nuanciert mit Leben, „very british“, treffend, spitz sind die Dialoge. Eine wichtige Rolle fällt der kleinen Honor Kneafsey als Lockenkopf Christine zu, die, um für ihre Familie ein paar Schillinge dazuzuverdienen, in „The Bookshop“, so der Originaltitel, aushilft und versucht, sich in die Erwachsenenwelt hineinzufinden. Viel Sorgfalt und Liebe hat man auf die Retro-Ausstattung und die Kostüme gelegt, nostalgisch gefärbt sind Licht und Bilder (Kamera: Jean-Claude Larrieu), Alfonso de Vilallonga sorgt für einen kammermusikalischen Soundtrack. Kluge Unterhaltung, im Subtext durchaus als Kampfansage gegen den Onlinebuchhandel von Amazon und Co. zu lesen.

Gebhard Hölzl
 
Jetzt in diesen Kinos
 

Veranstaltungsort

DIVERSE KINOS

80331 München
Quelle: in münchen