Bob, der Streuner

DIVERSE KINOS
13.01.2017
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„Wann waren Sie zum letzten Mal nüchtern“? Bei der Frage der Sozialarbeiterin muss James Bowen nicht lange überlegen: „Da war ich elf“. Also keine gute Prognose für die Zukunft des Junkies. Dass der abgerissen durch London ziehende Straßenmusiker dennoch nicht in der Gosse landet, verdankt er Bob.
Bob, dem Streuner. Einem rothaarigen Kater, der nachts in seine kleine Sozialwohnung springt, sich allen Versuchen, ihn wieder loszuwerden, widersetzt und dem neuen Herrchen treu an der Seite bleibt. Bob nistet sich beharrlich in James‘Leben ein und rettet ihn auf Samtpfoten aus der Scheiße.
Die Verfilmung des auf wahren Begebenheiten basierenden außergewöhnlichen Bestsellers von James Bowen und seiner Beziehung zum dickköpfigen Stubentiger, durch die er lernt, nicht nur für das Tier, sondern auch für sich Verantwortung zu übernehmen, ist ein Glücksfall. Keine falsche Sentimentalität, sondern harte Realität dominiert zumeist. Bevor es zu kuschelig wird zwischen dem Duo, kriegt Regisseur Roger Spottiswoode noch jedes Mal die Kurve. Anfangs glaubt man sich fast bei Ken Loach, wenn der frierende Typ im Regen vor sich hin klampft, eine Bleibe sucht und bei der Sozialarbeiterin zu spät einläuft. Er hat bisher jede Chance vermasselt, will jetzt aber clean sein und ein Stück Würde zurückerobern.
Fast zu gut lässt sich das an. Nachbarin Betty, eine militante Tierschützerin mit Tofu-Faible, kümmert sich um den knuffigen Kater und den kaputten Kerl. Beim Anblick von Mieze und Musiker machen Passanten ihre Scheinchen locker. Und zur Krönung gibt’s einen gemütlichen Weihnachtsabend mit Betty.
Bald aber folgt ein Tiefschlag dem nächsten, grätscht das Schicksal in aufkeimende Hoffnung: James‘ Kumpel krepiert an einer Überdosis, der Silvesterbesuch bei seinem Dad und dessen neuer Familie endet im Desaster, er verliert seinen angestammten Platz am Covent Garden, wird bei der Obdachlosenzeitung von den anderen Verkäufern gemobbt, der Methadon-Entzug entpuppt sich als Hölle auf Erden.
Wie der Ex-Junkie ins Leben zurückfindet, das ist traurig und gefühlvoll, aber nie gefühlig. Und kein billiges Kino-Märchen, sondern Wirklichkeit, trotz Verzicht auf die übliche triste Sozialnummer für Polit-Puristen, eine fette Portion Menschlichkeit inklusive.
 Dass zwei Literaturagentinnen auf ihn aufmerksam wurden, und der Bestseller von Bowen über seine Freundschaft mit Bob eine Auflage von fünf Millionen Exemplaren weltweit erreichte, gehört in die Kategorie unerwartete Wunder.
Die Dramödie balanciert souverän zwischen kleinem Glück und großem Unglück, beleuchtet die Misere von Obdachlosigkeit, Sucht und Verzweiflung, erzählt von der Kraft, den inneren Schweinehund zu überwinden. Luke Treadaway spielt den Loser, der zum Winner wird, mit verwundbarem Herzen und gebrochenem Charme. Und der wahre Bob darf neben anderen Artgenossen vor der Kamera sich selbst mimen. Klar, ist ja auch die coolste Katze der Welt.

Margret Köhler

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Veranstaltungsort

DIVERSE KINOS

80331 München
Quelle: in münchen